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Cascia: die blutbefleckten Brevierseiten

Die Krankenkommunion in Siena und der selige Simon Fidati

1330 brachte ein Priester bei Siena eine konsekrierte Hostie zu einem Kranken. Er hatte sie zwischen die Seiten seines Breviers gelegt. Beim Öffnen des Buches fand er Blut und die anhaftende Hostie. Der erschrockene Priester suchte den Augustiner Simon Fidati auf, der die Blätter übernahm. Die Ordensüberlieferung und die historische Biografie Simons verfolgen ihren Weg nach Perugia und Cascia. Im Heiligtum der heiligen Rita wird die Reliquie bis heute bewahrt und verehrt.

Worum es in diesem Fall geht

Der von den Ordensquellen bewahrte Bericht bezeugt Blutspuren, die eine zur Krankenkommunion mitgeführte Hostie im Brevier hinterliess. Simon Fidati übernahm die betroffenen Blätter; mit ihm verbindet sich ihre Übertragung nach Umbrien.

Der Priester öffnet sein Brevier

Die Augustinerüberlieferung, die Romolo Trinchieri mit Literaturbelegen wiedergibt, führt nach Siena im Jahr 1330. Ein Priester brach zu einem Kranken auf und legte die konsekrierte Hostie zwischen die Seiten seines Breviers. Als er das Buch öffnete, sah er Blut und die anhaftende Hostie. Er wandte sich an Simon von Cascia, der damals in Siena predigte. Simon nahm den Priester auf und übernahm die betroffenen Blätter. Der sorglose Umgang mit dem Sakrament wurde dadurch zum Anlass einer ernsten Besinnung und geistlichen Umkehr.[3]

Simon Fidati: Prediger und geistlicher Begleiter

Simon Fidati war Augustiner und Verfasser des Werkes De gestis Domini Salvatoris. Die wissenschaftliche Biografie Enrico Menestòs ordnet seine Geburt ungefähr an das Ende des 13. Jahrhunderts ein und nennt 1348 als Todesjahr. Der Sterbeort ist nicht sicher zwischen Rom und Florenz zu bestimmen. Als historisch fassbarer Prediger und Ordensmann verbindet Simon den Vorfall mit der späteren Verwahrung. Die heilige Rita ist die Patronin des heutigen Heiligtums, nicht eine Augenzeugin des Ereignisses von 1330.[2]

Von Siena nach Perugia und Cascia

Auch Menestòs wissenschaftliche Biografie nennt für 1330 den Reliquienweg von Siena über Perugia nach Cascia. Der Name des Wunders bezeichnet somit vor allem den Ort der späteren Verehrung. Der Beginn liegt in Siena; in Umbrien wurden die Blätter als Zeugnis des eucharistischen Geschehens aufgenommen. Diese Unterscheidung macht die Geschichte räumlich nachvollziehbar und verbindet sie mit Simons belegtem Wirken.[2]

Ordensgeschichte, Biografie und Heiligtum

Die Quellen ergänzen sich: Das Heiligtum erklärt die Reliquie und ihre kirchliche Verehrung; Menestò ordnet Simon und den Reliquienweg in eine wissenschaftliche Biografie ein; Trinchieris Ordensgeschichte verweist auf ältere Literatur, darunter A. Morinis La reliquia del Corpus Christi. Die Darstellung stützt sich damit auf mehrere identifizierbare Zugänge. Die hier erschlossenen Texte sind spätere Vermittlungen der Geschichte, keine unmittelbar 1330 aufgenommenen Verhörprotokolle. Für eine weiterführende Edition bleiben die frühesten Textzeugen und Besitznachweise wichtig.[1][2][3]

Christus kommt zum Kranken

Der ursprüngliche Auftrag des Priesters war die Krankenkommunion. Die Hostie wurde für einen Menschen mitgeführt, der Christi Nähe in seiner Not empfangen sollte. Das Wunder erinnert deshalb zugleich an die Würde des Allerheiligsten und an die Bedeutung dieses Dienstes. Eucharistische Ehrfurcht und Liebe zu Kranken gehören zusammen. Die Reliquie führt zu der Haltung zurück, mit der die Kirche den Herrn zu den Schwachen und Sterbenden bringt: mit grösster Sorgfalt gegenüber dem Sakrament und liebevoller Zuwendung zum Menschen.[1]

Simons Antwort: Bekenntnis und erneuerte Ehrfurcht

Der Priester bleibt mit seinem Erschrecken nicht allein. Er sucht einen geistlichen Begleiter; Simon nimmt den Vorgang auf und bewahrt sein sichtbares Zeugnis. Die Antwort auf das Wunder ist so mit Seelsorge und der Verkündigung von Christi wirklicher Gegenwart verbunden. Die überlieferten Handlungen tragen diesen Sinn bereits in sich. Der Name des Priesters und seine inneren Gedanken sind nicht im Einzelnen dokumentiert; sie werden für das Verständnis des Geschehens auch nicht durch erfundene dramatische Einzelheiten ersetzt.[1]

Zeugen & Untersuchende

Der nicht namentlich genannte Priester

Beobachter des Vorgangs nach dem Ordensbericht

Entdeckte die Blutspur beim Öffnen des Breviers und suchte Simon Fidati auf.[3]

Seliger Simon Fidati

Geistlicher Begleiter und Hüter der Reliquien

Nahm den Bericht des Priesters entgegen und übernahm die Blätter; mit ihm wird ihr Weg nach Umbrien verbunden.[3]

Die Geschichte im Verlauf

  1. Geburt Simons

    Geburt in Cascia; das genaue Jahr ist unsicher.[2]

  2. Ereignis in Siena

    Nach der Entdeckung im Brevier sucht der Priester Simon Fidati auf.[3]

  3. Weg nach Umbrien

    Menestòs Biografie nennt Perugia und Cascia als Stationen des Reliquienweges.[2]

  4. Tod Simons

    Der Augustiner stirbt; der Sterbeort bleibt umstritten.[2]

Kirchliche Einordnung

Verehrung im Heiligtum von Cascia

Das Heiligtum der heiligen Rita bewahrt die Reliquie und stellt das Geschehen als eucharistisches Wunder dar. Sein historischer Zusammenhang ist mit dem Augustiner Simon Fidati und dem Reliquienweg von 1330 verbunden.

Das kirchliche Verfahren für diesen Falltyp →

Einwände & Antworten

Erklärt ein gewöhnlicher Fleck die Reliquie?

Eine natürliche Verfärbung ist bei der Untersuchung eines alten Textils oder Buchblattes grundsätzlich zu berücksichtigen. Der Bericht von Cascia betrifft jedoch einen bestimmten Zusammenhang: die zwischen den Seiten mitgeführte Hostie, die Entdeckung beim Öffnen und die Übergabe an Simon Fidati. Eine Alternative muss diesen Zusammenhang ebenso berücksichtigen wie die materielle Spur. Ohne einen modernen Laborbericht lässt sich die Stoffart heute nicht aus einem Foto bestimmen. Das historische Zeugnis besteht in den benannten Ordensquellen und dem Reliquienweg; eine nur vorgestellte Fleckursache widerlegt es nicht.[1]

Welchen Wert hat der Fall ohne eine hier erschlossene Originalakte von 1330?

Historische Ereignisse werden häufig durch spätere Textzeugen und Verwahrungsnachweise erschlossen. Entscheidend sind deren Nähe zum Gegenstand, Herkunft und Zusammenhang. Cascia bietet einen historisch fassbaren Ordensmann, eine wissenschaftlich behandelte Biografie und einen bezeichneten Reliquienweg. Diese Anhaltspunkte begründen die Beschäftigung mit dem Fall. Eine Edition der frühesten Akten würde die Prüfung vertiefen; ihr hier fehlender Zugang rechtfertigt weder die Erfindung zusätzlicher Zeugen noch die pauschale Abwertung des vorhandenen Zeugnisses.[2][3]

Bedeutung für den Glauben

Cascia bewahrt ein eucharistisches Wunder, dessen geschichtlicher Weg über den seligen Simon Fidati nach Umbrien führt. Die blutbefleckten Brevierseiten erinnern an die Würde der Krankenkommunion und an den Ruf zur Umkehr. Ihr Mittelpunkt bleibt Christus, den der Priester ehrfürchtig zum Kranken bringen sollte.[1][2][3]

Die Untersuchung vertiefen

Wie eucharistische Wunder untersucht werden

Den Ablauf sichern, das Material bestimmen und das kirchliche Urteil genau lesen.

Untersuchungsmittel und kirchliches Verfahren →

Quellen & Nachweise

Die Angaben zu Zugänglichkeit und Aussagebereich helfen dir, die Belege selbst einzuordnen.

  1. [1] Il Beato Simone Fidati e il Miracolo eucaristico

    Heiligtum Santa Rita da Cascia · 2022-02-15 · Leben Simons und Geschichte des Wunders

    Primärquelle für die heutige Vermittlung und Verehrung; die mittelalterliche Handlung wird rückblickend erzählt. Keine moderne Materialanalyse.

    Quelle öffnen · santaritadacascia.org ↗
  2. [2] FIDATI, Simone

    Enrico Menestò, Dizionario Biografico degli Italiani, Band 47 (Treccani) · 1997 · Biografischer Anfang; Absatz über Siena, Perugia und Cascia 1330; Todesangabe

    Wissenschaftliche historische Sekundärquelle mit Quellenbibliografie. Nennt den Reliquienweg ausdrücklich; unterscheidet gesicherte Lebensdaten und Unsicherheiten.

    Quelle öffnen · treccani.it ↗
  3. [3] L’Ordine di Sant’Agostino nell’Abruzzo aquilano

    Romolo Trinchieri; Ausgabe bearbeitet von Mario Mattei, Centro Culturale Agostiniano · 1941–1943; bearbeitete Ausgabe 2007 · Kapitel X, Simone Fidati, gedruckte Seite 22 (PDF-Seite 24), Anmerkung 124

    Historische Ordensstudie mit eigener Literaturnennung zur Wundertradition, darunter A. Morini. Die 2007 bearbeitete Fassung wurde eingesehen; kein zeitgenössisches Protokoll von 1330.

    Quelle öffnen · historiaaugustiniana.net ↗
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