← HeilungenEinzeldossier · Leib, Leid & Hoffnung

Jeanne Frétel

Nach schwerer Bauchfellerkrankung wieder essen, gehen und Kranke pflegen

Jeanne Frétel kam im Oktober 1948 schwerkrank nach Lourdes. Sie konnte kaum Nahrung behalten und nicht mehr gehen. Nach dem Kommunionempfang am 8. Oktober vertrug sie Milch, später ganze Mahlzeiten; der stark geschwollene Bauch normalisierte sich, und sie ging wieder selbständig. Kardinal Clément Roques von Rennes erkannte die Heilung am 20. November 1950 als Wunder an. Später half Frétel selbst kranken Pilgern.

Worum es in diesem Fall geht

Nach einer als tuberkulöse Bauchfellentzündung diagnostizierten Erkrankung gewann Frétel während der Wallfahrt dauerhaft die Fähigkeit zurück, Nahrung zu behalten, selbständig zu gehen und ihren Alltag aufzunehmen.

Jahrelange Krankheit und erfolglose Behandlungen

Die zeitgenössische Veröffentlichung aus Rennes beschreibt eine Verschlechterung nach einer Operation 1938. Dr. Pelé diagnostizierte 1940 eine tuberkulöse Bauchfellentzündung. Weitere Eingriffe, Sanatoriumsaufenthalte und ein längerer Streptomycinversuch führten nicht zur Genesung. Als Frétel am 4. Oktober 1948 nach Lourdes aufbrach, war sie sehr geschwächt, konnte nicht mehr gehen und nur kleine Flüssigkeitsmengen aufnehmen.[1]

Die Erkrankung hatte zu einem stark aufgeblähten, schmerzhaften Bauch und anhaltendem Erbrechen geführt. Frétel konnte nur noch kleine Flüssigkeitsmengen aufnehmen. Der zeitgenössische Bericht nennt drei Morphininjektionen am Tag. Die längere Behandlung mit Streptomycin linderte Schmerzen, führte aber nicht zu einer Wiederherstellung ihrer Kräfte. In diesem schweren Zustand war sie auf die Versorgung und den Transport durch andere angewiesen.[1]

Kommunion, erste Nahrung und der Gang zur Grotte

Bei der Krankenmesse am 8. Oktober erhielt sie wegen des Erbrechens nur ein kleines Stück der Hostie. Danach konnte sie sich aufsetzen und Milch trinken, ohne sie wieder zu erbrechen. Später an der Grotte bemerkte sie, dass ihr zuvor stark geblähter Bauch wieder normal war. Sie ass gewöhnliche Mahlzeiten und ging selbständig zu den Bädern. Die Heimreise trat sie in gutem Zustand und ohne die bisherigen Schmerzmittel an.[1]

Der Tagesverlauf wird in der frühen Veröffentlichung Schritt für Schritt festgehalten: Auf die erste verträgliche Milch folgte am Mittag eine grössere Mahlzeit. Am Abend konnte Frétel nochmals normal essen. In der Nacht erwachte sie mit Hunger, ass und schlief wieder ein. Mit der Normalisierung des Bauches kehrten so zugleich Appetit, Nahrungsaufnahme und die Kraft zum Gehen zurück.[1]

Die Prüfung der anhaltenden Genesung

Zurück in Rennes nahm Frétel wieder einen anstrengenden Dienst auf. Die Nationale Medizinische Kommission befasste sich am 12. März 1950 mit ihrer Heilung. Der spätere Erlass berücksichtigte ärztliche Aussagen und die kanonische Untersuchung. Er hob den plötzlichen Übergang von schwerer Krankheit zu anhaltender Gesundheit hervor.[1]

Die medizinische Nachricht vom Frühjahr 1950 berichtet, dass ein Arzt nach der Heimkehr nach Rennes die vollständige Genesung feststellte. Frétel hatte zuvor eine Versorgung als unheilbar Erkrankte erhalten. Der anschliessende Wiedereintritt in einen körperlich fordernden Dienst war deshalb ein besonders deutlicher Teil des länger beobachteten Verlaufs.[1]

Der Erlass vom 20. November 1950

Kardinal Clément Émile Roques, Erzbischof von Rennes, erkannte den Wundercharakter der Heilung an und deutete sie als göttliche Hilfe auf die Fürsprache Unserer Lieben Frau von Lourdes. Der Erlass wurde in der kirchlichen Presse vollständig abgedruckt. Lourdes führt Frétel als 52. anerkannten Heilungsfall.[1][2]

Die Geheilte hilft einer Kranken

Der Pilgerhelfer Bernard Mellerio erinnerte sich später an die schwere Erkrankung seiner Frau Hélène. Für die Wallfahrten der späten 1960er Jahre dankte er ausdrücklich Jeanne Frétel und einer weiteren Helferin. Ihre wiedergewonnene Kraft kam nun Menschen zugute, die weiterhin auf Unterstützung angewiesen waren.[3]

Der Zusammenhang mit der Kommunion

Der Beginn der Genesung fiel mit dem Kommunionempfang zusammen. Die kirchliche Deutung sieht darin ein Zeichen der Nähe Christi zur Kranken. Frétels späterer Dienst führt diesen Zusammenhang weiter: Die Frau, die Hilfe erfahren hatte, begleitete selbst leidende Menschen.[1][3]

Zeugen & Untersuchende

Jeanne Frétel

Betroffene

Ihre Erfahrung und ihr späterer Dienst stehen im Mittelpunkt.[1][3]

Dr. Pelé

Arzt in Rennes

Im historischen Bericht als Diagnosesteller genannt.[1]

Clément Émile Roques

Kardinal und Erzbischof von Rennes

Unterzeichnete den Erlass.[1]

Bernard Mellerio

Pilgerhelfer und späterer Zeitzeuge

Überliefert Frétels Hilfe für seine Frau.[3]

Die Geschichte im Verlauf

  1. Beginnende Krankheitsgeschichte

    Operation und spätere Diagnose im zeitgenössischen Bericht.[1]

  2. Wallfahrt nach Lourdes

    Reise als schwerkranke Patientin.[1]

  3. Heilung

    Beginn nach dem Kommunionempfang.[2]

  4. Medizinische Beratung

    Die Nationale Medizinische Kommission befasste sich laut zeitgenössischer Nachricht mit dem Fall.[1]

  5. Bischöflicher Erlass

    Anerkennung in Rennes.[1]

  6. Dienst an anderen

    Mellerio nennt Frétel als Helferin seiner Frau.[3]

Kirchliche Einordnung

52. anerkannte Heilung von Lourdes

Der überlieferte Erlass Kardinal Clément Roques’ ist ausdrücklich auf den 20. November 1950 datiert. Er erkennt den Wundercharakter der Heilung an.

Das kirchliche Verfahren für diesen Falltyp →

Einwände & Antworten

Wurde eine Wirkung der früheren Behandlung berücksichtigt?

Die frühe Quelle nennt Operationen und Streptomycin ausdrücklich. Die damalige Prüfung bewertete den besonderen, dauerhaften Verlauf als dadurch nicht ausreichend erklärt. Für eine heutige fachliche Neubewertung wären die genauen Diagnose-, Dosierungs- und Verlaufsunterlagen notwendig; der veröffentlichte Erlass enthält nicht jeden einzelnen Befund.[1]

Warum wird dieser Fall im Zusammenhang mit der Eucharistie genannt?

Frétel empfing unmittelbar vor Beginn der Genesung die Kommunion. Das untersuchte körperliche Ereignis betrifft sie selbst. Der Fall enthält keine Untersuchung einer stofflichen Veränderung der Hostie. Seine eucharistische Bedeutung liegt im Zusammenhang zwischen Sakrament, Heilung und späterem Dienst.[1][3]

Gilt als Anerkennungsdatum Oktober oder November 1950?

Massgeblich ist der datierte Erlass: 20. November 1950. Er ist im zeitgenössischen Digitalisat erhalten. Abweichende Monatsangaben in späteren Kurzlisten werden daran berichtigt.[1][2]

Bedeutung für den Glauben

Frétel konnte nach schwerer Krankheit wieder essen, gehen und arbeiten. Ihre Heilung wurde medizinisch und kirchlich geprüft und 1950 anerkannt. Der spätere Dienst an kranken Pilgern zeigt, wie aus empfangener Hilfe neue Hilfe für andere wurde.[1][3]

Die Untersuchung vertiefen

Heilungen prüfen: vom Befund zum kirchlichen Urteil

Diagnose, Behandlung, Heilungsverlauf und kirchliche Anerkennung werden getrennt geprüft.

Untersuchungsmittel und kirchliches Verfahren →

Quellen & Nachweise

Die Angaben zu Zugänglichkeit und Aussagebereich helfen dir, die Belege selbst einzuordnen.

  1. [1] Guérisons de Lourdes; Guérison miraculeuse de Mademoiselle Jeanne Frétel

    Semaine Religieuse de Quimper et Léon; Nachdruck aus Semaine Religieuse de Rennes vom 09.12.1950 · 1950 · Gedruckte S. 364–365 und 736–737; PDF-Seiten 187 und 373

    Zeitgenössische Berichte und vollständiger Erlass vom 20.11.1950; Digitalisat einschliesslich Datum visuell geprüft.

    Quelle öffnen · diocese-quimper.fr ↗
  2. [2] Les miracles de Lourdes – Jeanne Frétel

    Sanctuaire Notre-Dame de Lourdes · Eintrag Jeanne Frétel; Bestätigung der Novemberdatierung

    Quelle öffnen · lourdes-france.com ↗
  3. [3] Souvenirs d’un brancardier

    Bernard Mellerio / Association des Brancardiers et Infirmières de l’Île-de-France · Erinnerungen 1968–1969; Transkription 2016 · Schlussabschnitt, PDF-Seite 41

    Persönlicher Bericht über spätere Hilfe; redaktionelle biografische Fussnoten nicht als medizinische Quelle übernommen.

    Quelle öffnen · abiif.com ↗
Weiterlesen

Weitere Spuren entdecken.

Heilungen

Wie eine Heilung geprüft wird

Lourdes · medizinische und kirchliche Prüfung · Verfahren und Beweiswürdigung

Die Prüfung einer Heilung beginnt mit der konkreten Krankheitsgeschichte: Was war diagnostiziert, welche Behandlung fand statt, und was änderte sich dauerhaft? In Lourdes untersuchen das medizinische Büro und der internationale Ärzteausschuss diese Fragen; der zuständige Bischof entscheidet über die kirchliche Anerkennung. Auch nichtgläubige Ärzte arbeiten an der medizinischen Prüfung mit. Für Selig- und Heiligsprechungen gelten eigene römische Verfahrensregeln.

Verfahren und BeweiswürdigungLesen →
Heilungen

Anna Santaniello

Salerno / Lourdes · 19. August 1952 · anerkannt 21. September 2005

Die 41-jährige Anna Santaniello kam 1952 wegen einer schweren rheumatischen Herzerkrankung auf einer Trage nach Lourdes. Nach dem Bad am 19. August konnte sie wieder selbständig gehen und gewann ihre Belastbarkeit zurück. Ärzte untersuchten die Veränderung. Die kirchliche Anerkennung erfolgte am 21. September 2005 durch Erzbischof Gerardo Pierro von Salerno.

67. anerkannte Heilung von LourdesLesen →
Heilungen

Antonia Raco

Lourdes; Diözese Tursi-Lagonegro · 2009 · anerkannt am 16. April 2025

Antonia Raco kam 2009 mit schweren neurologischen Einschränkungen nach Lourdes. Beim Besuch der Bäder kehrte ihre Beweglichkeit zurück; die anschliessenden Kontrollen bestätigten das Verschwinden der Beschwerden. Ihre frühere Diagnose einer primären Lateralsklerose wurde wiederholt überprüft. Nach langjähriger Beobachtung und einem positiven medizinischen Votum erkannte Bischof Vincenzo Carmine Orofino die Heilung am 16. April 2025 als 72. Wunder von Lourdes an.

72. anerkannte Heilung von LourdesLesen →
Abbildung

Wunder · Catholon · DeutschDen passenden Prüfweg verstehen · Bildnachweise