← HeilungenEinzeldossier · Leib, Leid & Hoffnung

Jack Sullivan und die Fürsprache Newmans

Nach einer Wirbelsäulenoperation wieder gehen und die Diakonenausbildung vollenden

Jack Sullivans schwere Wirbelsäulenerkrankung bedrohte seine Ausbildung zum Diakon. Nach einer vorübergehenden Besserung im Jahr 2000 kehrten die Beschwerden zurück; im August 2001 wurde er operiert. Am 15. August betete er im Krankenhaus erneut um John Henry Newmans Fürsprache, wurde schmerzfrei und ging über den Flur. Er konnte seine Ausbildung fortsetzen. Die Kirche erkannte den besonderen Genesungsverlauf 2009 für Newmans Seligsprechung an.

Worum es in diesem Fall geht

Nach der Wirbelsäulenoperation trat während eines Gebets um Newmans Fürsprache eine plötzliche Schmerzfreiheit mit wiedergewonnener Gehfähigkeit ein. Der konkrete postoperative Verlauf wurde für die Seligsprechung geprüft und anerkannt.

Erste Erleichterung, Rückfall und Operation

Sullivan schilderte seine Krankheitsgeschichte 2009 bei einer Pressekonferenz. Im Jahr 2000 erfuhr er wegen schwerer Wirbelsäulenbefunde von der Notwendigkeit einer Operation. Nach einer Fernsehsendung über Newman bat er um dessen Fürsprache und war zunächst schmerzfrei. Später kehrten die Beschwerden zurück. Im August 2001 wurde er im Krankenhaus operiert.[1]

Die erste schmerzfreie Zeit hatte nach Sullivans Erinnerung fast ein Jahr gedauert. Die erneute Verschlechterung brachte ihn im August 2001 ins Krankenhaus. Seine Sorge galt dabei besonders dem letzten Ausbildungsjahr, das am 6. September beginnen sollte. In seinem öffentlichen Zeugnis erinnerte er sich an eine angekündigte Erholungszeit von acht bis zwölf Monaten. Eine so lange Unterbrechung schien den Abschluss seiner bereits weit fortgeschrittenen Vorbereitung auf den Diakonat zu gefährden.[1]

Der Gang über den Krankenhausflur

Nach dem Eingriff hatte Sullivan weiterhin starke Schmerzen. Am 15. August half ihm eine Krankenschwester an die Bettkante. Dort bat er Newman um Hilfe, damit er wieder gehen und seine Ausbildung abschliessen könne. Er empfand Wärme und inneren Frieden; die Schmerzen verschwanden. Er ging aus dem Zimmer und den Krankenhausflur entlang, während die Schwestern ihn begleiteten.[1]

Sullivan erhielt nach der Operation starke Schmerzmittel. Am Heilungstag stützte er sich an der Bettkante mit den Unterarmen ab, als er betete. Nach der plötzlichen Veränderung ging er den Flur auf und ab; die begleitenden Schwestern baten ihn, langsamer zu werden. Er erinnerte sich besonders an den Blick aus den Fenstern am Ende des Ganges: Die wiedergewonnene Freiheit zu gehen veränderte für ihn auch die Wahrnehmung seiner Umgebung.[1]

Zurück in die Ausbildung

Sullivan kehrte nach der Entlassung in seine Diakonenausbildung zurück, zur Freude seiner Frau Carol und seiner Mitstudenten. Seine spätere Weihe gab der ursprünglichen Bitte eine sichtbare Fortsetzung. Für ihn war die Genesung eine Hilfe Gottes, die ihn zu einem Dienst für andere befähigte.[1]

Die Untersuchung in Boston und Rom

Die diözesane Untersuchung in Boston dauerte von Juni 2005 bis November 2006. Nach der medizinischen Bewertung berieten 2008 die theologischen Gutachter und 2009 die Kardinäle und Bischöfe. Das Wunderdekret erging am 3. Juli 2009. Benedikt XVI. sprach Newman am 19. September 2010 in Birmingham selig.[2]

Der medizinische Gegenstand der Prüfung

Untersucht wurde die besondere Genesung nach dem Eingriff. Die Operation gehörte somit zur Vorgeschichte und zur Frage, welche Erholung durch die Behandlung zu erwarten war. Geschwindigkeit, Vollständigkeit und Dauerhaftigkeit der Besserung mussten im Zusammenhang mit dem vorherigen Zustand beurteilt werden.[1][2]

Eine veröffentlichte ärztliche Gegenposition

Der britische Arzt Peter May vertrat bei der Christian Medical Fellowship eine andere Bewertung: Er führte die Genesung auf die Operation zurück und widersprach der Wunderdeutung. Damit ist eine konkrete medizinische Streitfrage benannt, nämlich ob Behandlung und gewöhnliche postoperative Erholung den gesamten beobachteten Verlauf hinreichend erklären.[3]

Zeugen & Untersuchende

Jack Sullivan

Betroffener

Gab seine eigene Krankheits- und Gebetsgeschichte öffentlich wieder.[1]

Carol Sullivan

Ehefrau

Beobachtete seine Rückkehr in den Alltag und die Diakonenausbildung.[1]

Peter May

Ärztlicher Kritiker

Veröffentlichte eine abweichende Deutung des Genesungsverlaufs.[3]

Die Geschichte im Verlauf

  1. Erste Besserung

    Auf eine erste Gebetserfahrung folgt später eine erneute Verschlechterung.[1]

  2. Operation und Genesung

    Der anerkannte Fall steht im Zusammenhang mit der Zeit nach dem Eingriff.[1]

  3. Diözesane Untersuchung

    Förmliches Verfahren in Boston.[2]

  4. Wunderdekret

    Anerkennung für Newmans Seligsprechung.[2]

  5. Seligsprechung

    Benedikt XVI. feiert sie in Birmingham.[2]

Kirchliche Einordnung

Für die Seligsprechung Newmans anerkannt

Das Wunderdekret datiert vom 3. Juli 2009. Newman wurde am 19. September 2010 seliggesprochen; die Anerkennung betrifft Sullivans konkreten Fall.

Das kirchliche Verfahren für diesen Falltyp →

Einwände & Antworten

War die Genesung das Ergebnis einer erfolgreichen Operation?

Das ist der zentrale medizinische Einwand Peter Mays. Die kirchliche Anerkennung bewertet den konkreten Verlauf als durch die bekannten Behandlungsumstände nicht hinreichend erklärt; May hält die postoperative Erholung für ausreichend. Öffentlich liegen Sullivans Zeugnis, die Verfahrenschronologie und die benannte Gegenposition vor. Für eine unabhängige Entscheidung des medizinischen Streits wären insbesondere Operationsbericht, neurologische Vor- und Nachbefunde, Medikation, Pflegebeobachtungen und Nachkontrollen nötig.[1][2][3]

Was bedeutet die nur vorübergehende Besserung im Jahr 2000?

Sie gehört als eigener Abschnitt zur Krankheitsgeschichte. Auf sie folgten Rückfall, Operation und die Genesung vom August 2001. Der anerkannte Fall betrifft diesen späteren Verlauf. Die frühere Erleichterung wird daher nicht als bereits endgültige körperliche Heilung geführt.[1][2]

Bedeutung für den Glauben

Sullivans Genesung ermöglichte ihm, seine Ausbildung abzuschliessen und Diakon zu werden. Die Kirche erkannte den postoperativen Verlauf als Wunder auf Newmans Fürsprache an; die veröffentlichte ärztliche Gegenposition bleibt Teil der sachlichen Auseinandersetzung.[1][2][3]

Die Untersuchung vertiefen

Heilungen prüfen: vom Befund zum kirchlichen Urteil

Diagnose, Behandlung, Heilungsverlauf und kirchliche Anerkennung werden getrennt geprüft.

Untersuchungsmittel und kirchliches Verfahren →

Quellen & Nachweise

Die Angaben zu Zugänglichkeit und Aussagebereich helfen dir, die Belege selbst einzuordnen.

  1. [1] Deacon Sullivan’s Account of the Miracle

    Cause for the Canonization of John Henry Cardinal Newman; veröffentlicht bei Catholic Online · 11.11.2009

    Eigene Aussage des Betroffenen bei einer Pressekonferenz; keine publizierte vollständige Krankenakte.

    Quelle öffnen · catholic.org ↗
  2. [2] John Henry Newman – Iter della causa

    Dikasterium für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse · In vista della beatificazione

    Quelle öffnen · causesanti.va ↗
  3. [3] Cardinal Newman’s Miracle

    Peter May / Christian Medical Fellowship

    Suchindex-Abruf bestätigt die zentrale Kritik am postoperativen Heilungsverlauf; Archivseite beim Vollabruf zeitweilig blockiert. Keine ungesehenen klinischen Einzelheiten übernommen.

    Quelle öffnen · archive.cmf.org.uk ↗
Weiterlesen

Weitere Spuren entdecken.

Heilungen

Melissa Villalobos und ihr Kind Gemma

Grossraum Chicago, Illinois · 15. Mai 2013 · anerkannt 2019

Melissa Villalobos erlitt im Mai 2013 schwere Blutungen während der Schwangerschaft mit ihrem fünften Kind. Als sie am 15. Mai zu Hause um Newmans Fürsprache bat, hörte die Blutung auf. Eine Kontrolle noch am selben Tag bestätigte die Genesung. Sie konnte die Schwangerschaft fortsetzen und brachte am 27. Dezember ihre Tochter Gemma gesund zur Welt. Das Ereignis wurde 2019 für die Heiligsprechung John Henry Newmans anerkannt.

Wunder für die Heiligsprechung NewmansLesen →
Heilungen

Wie eine Heilung geprüft wird

Lourdes · medizinische und kirchliche Prüfung · Verfahren und Beweiswürdigung

Die Prüfung einer Heilung beginnt mit der konkreten Krankheitsgeschichte: Was war diagnostiziert, welche Behandlung fand statt, und was änderte sich dauerhaft? In Lourdes untersuchen das medizinische Büro und der internationale Ärzteausschuss diese Fragen; der zuständige Bischof entscheidet über die kirchliche Anerkennung. Auch nichtgläubige Ärzte arbeiten an der medizinischen Prüfung mit. Für Selig- und Heiligsprechungen gelten eigene römische Verfahrensregeln.

Verfahren und BeweiswürdigungLesen →
Heilungen

Anna Santaniello

Salerno / Lourdes · 19. August 1952 · anerkannt 21. September 2005

Die 41-jährige Anna Santaniello kam 1952 wegen einer schweren rheumatischen Herzerkrankung auf einer Trage nach Lourdes. Nach dem Bad am 19. August konnte sie wieder selbständig gehen und gewann ihre Belastbarkeit zurück. Ärzte untersuchten die Veränderung. Die kirchliche Anerkennung erfolgte am 21. September 2005 durch Erzbischof Gerardo Pierro von Salerno.

67. anerkannte Heilung von LourdesLesen →
Abbildung

Wunder · Catholon · DeutschDen passenden Prüfweg verstehen · Bildnachweise