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Die Manna des heiligen Nikolaus in Bari

Eine alte Reliquienverehrung, untersuchte Wasserproben und die Frage nach ihrem Ursprung

Am Grab des heiligen Nikolaus in Bari sammelt sich bis heute eine geringe Menge Wasser, die als Manna oder Myron verehrt wird. Die Tradition reicht zu seiner Grabstätte in Myra zurück und wurde nach der Reliquienübertragung von 1087 in Bari weitergeführt. Jährlich am 9. Mai wird die Flüssigkeit entnommen. Untersuchungen der Universität Bari von 1925 ergaben nahezu reines Wasser und deutliche Unterschiede zu einer damaligen äusseren Vergleichsprobe. Die veröffentlichten Berichte bewahren die Messwerte. Die Manna verbindet das Gedächtnis des Heiligen mit dem Gebet um seine Fürsprache; die genaue physikalische Herkunft des Wassers bleibt Gegenstand eigener Fragen.

Worum es in diesem Fall geht

Bei den Reliquien des heiligen Nikolaus sammelt sich Wasser. Die Kirche von Bari entnimmt und verehrt es als Manna des Heiligen. Die historischen Untersuchungen belegen Eigenschaften der Flüssigkeit; eine abschliessende Erklärung ihrer Entstehung ist damit nicht gegeben.

Vom Grab in Myra zur Basilika in Bari

Die Geschichte der Basilika bewahrt bereits für das Grab in Myra die Verbindung des heiligen Nikolaus mit einer besonderen Flüssigkeit. Pilger und alte Texte nannten sie Myron, Manna, Öl oder Salbe. Diese Namen drücken die Verehrung aus; sie sind nicht durchweg chemische Bestimmungen. Die Überlieferung richtet den Blick auf das Grab des Heiligen und die dort empfangenen Gnaden. Ob ein einzelner früher Text einen Austritt aus den Knochen oder aus der Grabstätte meint, muss jeweils an seinem Wortlaut geklärt werden.[3]

1087 wurden die Reliquien nach Bari übertragen. Dort setzte sich die Verehrung fort und erhielt in der Basilika ihren neuen Mittelpunkt. Die Flüssigkeit blieb mit dem Gedächtnis des Heiligen verbunden. Die jahrhundertelange Tradition und die späteren datierten Laboruntersuchungen ergänzen einander, gehören aber zu unterschiedlichen Arten von Quellen: Die eine erschliesst die Geschichte der Verehrung, die anderen bestimmen die Eigenschaften bestimmter entnommener Proben.[3][4]

Die jährliche Entnahme am 9. Mai

Am 9. Mai, dem Fest der Reliquienübertragung, wird die gesammelte Manna entnommen. Ihre Menge ist begrenzt. Für die Fläschchen, die Pilger erhalten, wird sie nach ausdrücklicher Auskunft der Basilika grossen Gefässen mit Weihwasser zugesetzt. Die Gläubigen empfangen also eine Mischung, die mit dem Wasser vom Nikolausgrab verbunden ist. Die Entnahme steht im Zusammenhang mit der Feier, dem Dank und der Bitte um die Fürsprache des Heiligen. Diese Praxis erklärt zugleich, wie viele Pilger an dem verehrten Wasser Anteil erhalten können.[1]

Das Gebet am Grab des heiligen Nikolaus

Die dominikanischen Hüter pflegen die Verehrung der Reliquien und der mit ihnen verbundenen Manna. Ihr Mittelpunkt ist das Gedächtnis des heiligen Nikolaus und die Bitte um seine Fürsprache. Die Pilger danken Gott für sein Wirken im Leben des Heiligen und vertrauen ihm ihre Anliegen an. Die Basilika verlangt dabei keine Festlegung auf einen bestimmten übernatürlichen Entstehungsmechanismus des Wassers. Das Gebet richtet sich an Gott und lebt vom Vertrauen auf seine Gnade.[1]

Die alte Symbolik des Myron erinnert an den guten Duft eines heiligen Lebens. In ihr verbindet sich das leibliche Gedächtnis des Heiligen mit der Hoffnung der Betenden. Die Herkunft aus Myra, die Übertragung nach Bari und die fortdauernde Verehrung bilden eine lange Geschichte. Die wissenschaftlichen Untersuchungen fügen konkrete Kenntnisse über das Wasser hinzu. Beide Zugänge erschliessen ihren jeweiligen Gegenstand und lassen den geistlichen Sinn der Wallfahrt verständlich werden.[3]

Die chemischen Befunde von Riccardo Ciusa

1925 untersuchte Riccardo Ciusa von der Universität Bari zwei als Manna von 1910 und 1925 bezeichnete Proben sowie äusseres Wasser, das sich in der Kirche sammelte. Wegen der geringen Menge bestimmte er Dichte und festen Rückstand. Die Manna von 1925 hinterliess 0,048 Gramm Rückstand pro Liter, diejenige von 1910 etwa 0,04 Gramm. Beim äusseren Vergleichswasser waren es 1,038 Gramm pro Liter. Das ist ein klarer gemessener Unterschied zwischen den untersuchten Proben. Der Bericht bezeichnet die Manna als nahezu reines Wasser.[2]

Ciusa schloss aus seinen Ergebnissen, dass die Manna nicht aus dem ihm vorgelegten äusseren Infiltrationswasser stammte. Dieser positive Befund ist genauer als eine allgemeine Vermutung über Wasser im Kirchenraum: Bestimmte Proben wurden tatsächlich verglichen. Seine Reichweite ist an diese Auswahl und die geprüften Eigenschaften gebunden. Eine lückenlose Untersuchung aller Feuchtigkeitswege des Grabes über das gesamte Jahr war damit nicht verbunden.[2]

Die bakteriologische Untersuchung Filippo Neris

Filippo Neri, Direktor des Hygieneinstituts der Universität, dokumentierte die Proben vom 8. und 12. Juli 1925. Zwischen beiden Entnahmen blieb die Urne versiegelt. Eine sterile Pipette beziehungsweise ein steriler Schwamm dienten zur Probenahme. Neri sah etwas Flüssigkeit am Boden unter den Knochen. In den untersuchten Proben wuchsen ungefähr fünfzig Bakterienkolonien pro Kubikzentimeter; das damals so bezeichnete Bacterium coli wurde nicht nachgewiesen. Der Bericht hält damit Entnahmebedingungen und tatsächliche Ergebnisse ausdrücklich fest.[2]

Die geringe Zahl und begrenzte Vielfalt der Keime wertete Neri als Hinweis gegen eine Verunreinigung durch oberflächliches Wasser. Sein Befund spricht von verhältnismässig keimarmem, nicht von sterilem Wasser. In einer Ergänzung vom 20. Juli erläuterte er zudem, dass auch natürliche Wässer sehr geringe feste Rückstände haben können. Die Werte sind deshalb als konkrete Materialbefunde zu würdigen. Sie bestimmen Eigenschaften der Proben, ohne allein einen übernatürlichen Ursprung nachzuweisen.[2]

Zeugen & Untersuchende

Riccardo Ciusa

Chemiker, Universität Bari

Bestimmte 1925 Dichte und festen Rückstand der Manna sowie einer äusseren Vergleichsprobe.[2]

Filippo Neri

Hygieniker, Universität Bari

Dokumentierte Probenentnahme und Bakterienkulturen. Sein Bericht weist vorhandene Keime aus.[2]

Pio Scognamiglio OP

Kirchlicher Auftraggeber

Der Dominikaner übergab beziehungsweise veranlasste die untersuchten Proben und erhielt die Berichte.[2]

Die Geschichte im Verlauf

  1. Tradition in Myra

    Die alte Verehrung verbindet die Grabstätte bereits mit Myron; die Texte unterscheiden nicht immer eindeutig zwischen Knochen und Grab.[3]

  2. Reliquien in Bari

    Die Übertragung begründet den neuen Wallfahrtsmittelpunkt.[4]

  3. Chemischer Bericht

    Ciusa beschreibt die Proben von 1910 und 1925 sowie das davon verschiedene äussere Vergleichswasser.[2]

  4. Bakteriologische Prüfung

    Probenentnahmen, Bericht und ergänzende Einordnung durch Filippo Neri.[2]

  5. Öffentliche Entnahme

    Die Basilika verbindet die Entnahme mit dem Fest der Reliquienübertragung.[1]

Kirchliche Einordnung

Verehrte Reliquienflüssigkeit; Ursprung diskutiert

Die Basilika pflegt die Reliquienverehrung, stellt die übernatürliche Entstehung des Wassers aber nicht als allgemein verpflichtende Glaubensaussage dar. Die veröffentlichten Untersuchungen bestimmen Eigenschaften der Proben, nicht einen göttlichen Entstehungsmechanismus.

Das kirchliche Verfahren für diesen Falltyp →

Ist Kondensation bereits nachgewiesen?

Die Basilika nennt neben der wunderhaften Deutung auch natürliche Erklärungsmöglichkeiten wie Kondensation. Eine Möglichkeit ist jedoch noch keine quantitativ nachgewiesene Erklärung dieses Grabes. Dazu wären Temperatur, Feuchtigkeit, Materialtransport und mögliche Wasserwege über längere Zeit zu messen. Die veröffentlichten Untersuchungen von 1925 liefern wichtige Vergleichswerte, aber keine vollständige Wasserbilanz. Der genaue Entstehungsweg bleibt damit eine offene wissenschaftliche Frage. Es wäre ebenso unzutreffend, eine abgeschlossene natürliche Erklärung zu behaupten, wie allein aus der bisherigen Offenheit eine bewiesene übernatürliche Produktion abzuleiten.[1][2]

Die Versiegelung schützt vor unmittelbarem menschlichem Eingriff; ein physikalischer Austausch mit der Umgebung wird dadurch nicht von selbst ausgeschlossen. Umgekehrt muss eine Kondensationserklärung zeigen, welche Wassermenge unter den konkreten Bedingungen entstehen kann. Die beiden stärkeren Behauptungen verlangen jeweils Daten. Die Verehrung am Grab des Heiligen ist von dieser noch offenen Herkunftsfrage zu unterscheiden.[1][2]

Einwände & Antworten

Ist die Manna bereits abschliessend als Kondenswasser erklärt?

Kondensation ist eine natürliche Möglichkeit, die auch die Basilika nennt. Eine vollständige Messreihe zum Wasserhaushalt des Grabes liegt in den hier erschlossenen Quellen jedoch nicht vor. Ciusa verglich 1925 bestimmte Proben und fand einen deutlichen Unterschied zum vorgelegten äusseren Wasser. Das ist ein konkreter Befund, aber kein Ausschluss sämtlicher anderer natürlicher Wege. Eine abgeschlossene Kondensationserklärung müsste Menge und Bedingungen nachweisen. Umgekehrt beweist der offene Entstehungsweg für sich noch keine übernatürliche Produktion. Die Quellen erlauben diese genaue Unterscheidung; die Verehrung am Nikolausgrab verlangt keine Festlegung über den veröffentlichten Befund hinaus.[1][2]

Beweist die hohe Reinheit einen übernatürlichen Ursprung?

Die Reinheit ist ein wirklicher Messbefund, aber nicht allein ein Nachweis göttlicher Entstehung. Neri weist selbst darauf hin, dass bestimmte natürliche Wässer sehr geringe Rückstände besitzen. Seine Kulturen zeigten zudem Bakterien; von völliger Sterilität ist deshalb nicht zu sprechen. Gerade die veröffentlichten Zahlen machen die Untersuchungen wertvoll. Sie unterscheiden die konkreten Proben vom untersuchten äusseren Wasser und beschreiben ihre Eigenschaften. Der geistliche Sinn liegt im Gedächtnis des Heiligen und in der Fürbitte. Er muss nicht durch eine weitergehende naturwissenschaftliche Behauptung begründet werden, die der Bericht nicht trägt.[2][3]

Bedeutung für den Glauben

Am Nikolausgrab in Bari sind eine reale Flüssigkeitsansammlung, eine alte Verehrung und veröffentlichte Untersuchungsbefunde verbunden. Die Messungen von 1925 zeigten nahezu reines Wasser und Unterschiede zum untersuchten äusseren Wasser. Die Herkunft ist damit nicht abschliessend erklärt. Die Manna bleibt ein verehrtes Zeichen des Gedächtnisses und der Fürsprache des heiligen Nikolaus.[1][2][3]

Die Untersuchung vertiefen

Wie Wunder im Leben der Heiligen geprüft werden

Stigmata, Bilokation und materielle Veränderungen benötigen unterschiedliche Untersuchungen.

Untersuchungsmittel und kirchliches Verfahren →

Quellen & Nachweise

Die Angaben zu Zugänglichkeit und Aussagebereich helfen dir, die Belege selbst einzuordnen.

  1. [1] La Manna di San Nicola

    Basilica Pontificia San Nicola, Bari · Abruf 14.10.2026 · Beschreibung der Manna, Deutungen und Ausgabe in Fläschchen

    Institutionelle Selbstauskunft; keine unabhängige naturwissenschaftliche Studie.

    Quelle öffnen · basilicasannicola.it ↗
  2. [2] Documenti scientifici sulla natura della Manna

    Riccardo Ciusa und Filippo Neri, Universität Bari · 04., 18. und 20.07.1925 · Drei vollständig transkribierte historische Berichte

    Primärberichte mit Methoden und Messwerten; nicht als aktuelle Trinkwasserprüfung oder allgemeiner Ausschluss natürlicher Ursachen zu lesen.

    Quelle öffnen · basilicasannicola.it ↗
  3. [3] La Manna o Myron

    Basilica Pontificia San Nicola, Bari · Abruf 14.10.2026 · Überlieferung aus Myra, alte Begriffe und Pilgergefässe

    Historische Darstellung der Basilika mit Quellenauszügen.

    Quelle öffnen · basilicasannicola.it ↗
  4. [4] Traslazione delle reliquie

    Basilica Pontificia San Nicola, Bari · Abruf 14.10.2026 · Reliquienübertragung 1087

    Kontext des Wallfahrtsortes.

    Quelle öffnen · basilicasannicola.it ↗
  5. [5] Scientific documents on the nature of Manna

    St. Nicholas Center; nach den Berichten der Basilika · Berichte 1925 · Englische Parallelwiedergabe

    Bestätigt die zugängliche Textüberlieferung, ist keine zweite unabhängige Untersuchung.

    Quelle öffnen · stnicholascenter.org ↗
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