← Die Wunder JesuEinzeldossier · Zeichen des kommenden Reiches

Die Auferweckung des Lazarus

Christus ruft seinen Freund aus dem Grab

Lazarus ist gestorben und liegt seit vier Tagen im Grab, als Jesus Betanien erreicht. Marta bekennt ihren Glauben an ihn als den Christus und Sohn Gottes; Maria fällt trauernd vor ihm nieder. Am Grab weint Jesus. Dann lässt er den Stein entfernen, dankt dem Vater und ruft seinen Freund heraus. Lazarus kommt lebend aus dem Grab, noch in die Grableinentücher gebunden. Die Anwesenden sollen ihn lösen. Viele Zeugen glauben nun an Jesus; andere melden das Geschehen seinen Gegnern. Johannes verbindet dieses machtvolle Wunder mit dem nahenden Kreuz: Der Herr schenkt seinem Freund das Leben und geht selbst seiner Passion entgegen.

Worum es in diesem Fall geht

Jesus ruft den seit vier Tagen begrabenen Lazarus ins Leben zurück. Der Verstorbene kommt vor den Augen der Anwesenden aus dem Grab; das Wunder offenbart Christus als die Auferstehung und das Leben.

Die Schwestern lassen Jesus rufen

Lazarus von Betanien, der Bruder Martas und Marias, ist krank. Seine Schwestern lassen Jesus ausrichten, dass der Freund, den er liebt, leidet. Jesus liebt die drei Geschwister; dennoch bleibt er zunächst noch zwei Tage an seinem Aufenthaltsort. Dann kündigt er den Jüngern die Rückkehr nach Judäa an. Sie wissen um die Gefahr, die ihn dort erwartet. Der Weg zu Lazarus führt ihn zugleich näher an seine Passion. Die Not der Freunde ist wirklich: Während sie auf ihn hoffen, stirbt Lazarus. Gottes rettendes Handeln wird sich in einer Weise zeigen, die über die erhoffte Heilung am Krankenbett hinausgeht.[1]

Jesus sagt den Jüngern, Lazarus schlafe und er gehe, um ihn aufzuwecken. Als sie an gewöhnlichen Schlaf und Genesung denken, spricht er es unmissverständlich aus: Lazarus ist gestorben. Dann macht er sich mit ihnen auf den Weg. Die Rede vom Schlaf erhält hier ihre Erklärung aus seinem eigenen Wort. Der Tod des Freundes steht fest; Christus geht zu ihm als der, der ihn erwecken kann. Augustinus erkennt darin die Vollmacht des Herrn: Der Zustand, den Menschen nicht mehr wenden können, ist für ihn nicht das Ende seiner Hilfe.[1][3]

Marta bekennt den Sohn Gottes

Bei Jesu Ankunft liegt Lazarus bereits seit vier Tagen im Grab. Viele Menschen sind zu Marta und Maria gekommen, um sie zu trösten. Marta hört, dass Jesus kommt, und geht ihm entgegen. Sie spricht den Schmerz aus, der auch Maria bewegt: Wäre er hier gewesen, wäre ihr Bruder nicht gestorben. Zugleich hält sie am Vertrauen fest. Jesus sagt ihr die Auferstehung des Bruders zu. Marta denkt an die Auferstehung am letzten Tag. Darauf offenbart er ihr seine Person: Er ist die Auferstehung und das Leben. Wer an ihn glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.[1]

Auf Jesu Frage nach ihrem Glauben bekennt Marta ihn als den Christus, den Sohn Gottes, der in die Welt kommt. Dieses Bekenntnis steht vor der Graböffnung. Die Schwester vertraut dem Herrn inmitten der Trauer und bevor sie den Ausgang sehen kann. Thomas von Aquin erläutert, dass die Wunder Christi seine göttliche Sendung bezeugen und den Glauben an ihn stärken. Das folgende Werk wird deshalb nicht erst nachträglich mit einer religiösen Bedeutung versehen. Christus selbst hat bereits erklärt, wer er ist und welche Hoffnung er schenkt. Die sichtbare Erweckung wird seine Zusage vor den Zeugen bestätigen.[1][4]

Jesus weint und ruft Lazarus heraus

Marta ruft Maria. Als diese zu Jesus kommt, fällt sie ihm zu Füssen und spricht denselben schmerzlichen Gedanken aus: Wäre er hier gewesen, wäre ihr Bruder nicht gestorben. Die Trauernden folgen ihr. Jesus sieht ihre Tränen, ist tief bewegt und fragt nach dem Ort des Grabes. Auch er weint. Die Anwesenden erkennen seine Liebe zu Lazarus. Der Herr, der gleich den Tod überwinden wird, begegnet der Trauer mit wirklicher menschlicher Anteilnahme. Augustinus legt Tränen und Vollmacht zusammen aus: In derselben Person Christi erscheinen wahre menschliche Zuwendung und göttliche Macht.[1][3]

Am Grab fordert Jesus, den Stein zu entfernen. Marta erinnert ihn daran, dass Lazarus bereits vier Tage tot ist und mit Verwesungsgeruch zu rechnen ist. Jesus verweist sie auf seine Verheissung, die Herrlichkeit Gottes zu sehen. Der Stein wird weggenommen. Jesus dankt dem Vater und erklärt vor den Anwesenden den Sinn seines Gebets: Sie sollen erkennen, dass der Vater ihn gesandt hat. Dann ruft er mit lauter Stimme Lazarus heraus. Der Tote kommt lebend, an Händen und Füssen mit Grabtüchern gebunden; auch sein Gesicht ist mit einem Tuch umhüllt. Jesus fordert die Umstehenden auf, ihn zu lösen und gehen zu lassen. Sein Wort hat den Verstorbenen ins leibliche Leben zurückgerufen.[1]

Das Wunder bleibt öffentlich sichtbar

Viele der Menschen, die zu Maria gekommen sind und das Werk Jesu sehen, glauben an ihn. Einige gehen zu den Pharisäern und melden, was geschehen ist. Die Schwestern kennen Lazarus und seine Bestattung; die Jünger haben Jesu ausdrückliche Todesnachricht gehört und sind mit ihm gekommen; die Trauergäste stehen am Grab. Ihre Kenntnis verbindet den Tod des Freundes mit dem Ruf Christi und dem wieder lebenden Menschen. Die Reaktionen unterscheiden sich, doch das Wunder hat öffentliche Folgen. Johannes zeigt darin auch, dass selbst eine so mächtige Tat die freie Antwort des Menschen nicht ersetzt.[1]

Im folgenden Kapitel ist Lazarus bei einem Mahl mit Jesus zu Tisch. Viele Menschen kommen, um auch ihn zu sehen; seine Gegenwart führt weitere Menschen zum Glauben an Christus. Die Auferweckung endet daher nicht mit einem flüchtigen Eindruck vor dem Grab. Der zurückgekehrte Freund lebt unter den anderen, wird gesehen und nimmt an der Mahlgemeinschaft teil. Johannes verbindet das Ereignis mit dieser fortdauernden Wirkung. Einen eigenen Bericht des Lazarus über den Zustand im Tod gibt der Evangelist nicht wieder; sein Zeugnis richtet den Blick auf das geschenkte Leben und auf den Herrn, der es zurückgegeben hat.[2]

Der Lebensspender geht dem Kreuz entgegen

Die führenden Gegner beraten nach der Nachricht über das Wunder, was sie gegen Jesus unternehmen sollen. Johannes nennt ihre Sorge vor der Wirkung seiner vielen Wunder und vor politischen Folgen. In der Beratung fällt das Wort, es sei besser, dass einer für das Volk sterbe. Der Evangelist erkennt darin über die Absicht des Sprechers hinaus die Ankündigung des stellvertretenden Todes Jesu. Von diesem Tag an ist sein Tod beschlossen. Später wird auch ein Tötungsplan gegen Lazarus erwogen, weil viele seinetwegen zum Glauben kommen. So stehen die beiden Wege unmittelbar nebeneinander: Lazarus empfängt sein Leben zurück, während Christus sein Leben für die Menschen hingibt.[1][2]

Lazarus lebt wieder; Christus besiegt den Tod endgültig

Lazarus kehrt in sein bisheriges, weiterhin sterbliches Leben zurück. Der in Johannes 12 erwähnte Tötungsplan gegen ihn setzt genau diesen Zustand voraus. Die Auferstehung Christi ist nach der Lehre, die Thomas von Aquin erläutert, von anderer Vollendung: Der Herr tritt in das unsterbliche Leben ein und stirbt nicht wieder. Die Erweckung des Freundes ist deshalb Vorzeichen und Verheissung dieses endgültigen Sieges. Beide Geschehen gehören zusammen, ohne gleichgesetzt zu werden. In Betanien offenbart Jesus seine Macht, einem Toten das Leben wiederzugeben; an Ostern offenbart er das neue Leben, in dem der Tod keine Herrschaft mehr besitzt. Seine Zusage an Marta reicht auf diese endgültige Hoffnung hin.[2][5]

Der Ruf Christi erreicht auch den gebundenen Menschen

Augustinus liest die wirklichen Totenerweckungen Jesu zugleich als Werke, die die Rettung aus der Sünde erschliessen. Lazarus liegt bereits im Grab; der Kirchenvater denkt dabei an den Menschen, der in einer langen Gewohnheit der Schuld festgehalten wird. Auch ihn kann Christi Ruf erreichen. Diese geistliche Auslegung entfaltet die Macht, die am Leib des Freundes sichtbar geworden ist: Der Herr schenkt Leben, wo der Mensch aus eigener Kraft keinen Ausweg mehr findet. Daraus wachsen Hoffnung und der Ruf zur Umkehr. Die Bindungen sollen gelöst werden, und der Gerettete soll ins Leben treten. Keine lange Geschichte der Schuld ist ein Grund, den Ruf Christi für wirkungslos zu halten.[3]

Zeugen & Untersuchende

Lazarus

Auferweckter und lebender Zeuge des Wunders

Er kommt auf Jesu Ruf aus dem Grab und nimmt später am Mahl mit ihm teil. Seine sichtbare Gegenwart führt weitere Menschen zum Glauben.[1][2]

Marta

Schwester und Zeugin

Sie kennt Tod und Bestattung des Bruders, bekennt vor dem Wunder Jesus als Sohn Gottes und spricht bei der Graböffnung von den vier vergangenen Tagen.[1]

Maria von Betanien

Schwester und Zeugin

Sie begegnet Jesus trauernd; ihre Begleiter kommen mit zum Grab und erleben das folgende Wunder.[1]

Die Trauergäste und Jünger

Öffentlicher Kreis der Zeugen

Sie hören das Wort Jesu und sehen Lazarus wieder leben. Viele glauben; einige melden das Geschehen seinen Gegnern.[1]

Die Geschichte im Verlauf

  1. Die Schwestern senden Nachricht

    Sie vertrauen darauf, dass der Herr den geliebten Freund nicht vergisst.[1]

  2. Jesus spricht ausdrücklich vom Tod

    Das Missverständnis über den Schlaf wird innerhalb des Berichts aufgelöst.[1]

  3. Lazarus liegt seit vier Tagen im Grab

    Marta begegnet Christus und bekennt ihren Glauben.[1]

  4. Tränen, Gebet und Ruf

    Jesus lässt den Stein entfernen und ruft Lazarus heraus.[1]

  5. Glaube und Meldung an die Gegner

    Dasselbe Zeichen führt zu unterschiedlichen Entscheidungen.[1]

  6. Lazarus beim Mahl

    Johannes 12 erzählt von seiner Gegenwart und einem gegen ihn erwogenen Tötungsplan.[2]

Kirchliche Einordnung

Kanonischer Bericht einer Totenauferweckung

Johannes 11 bezeugt die Rückkehr des verstorbenen Lazarus ins irdische Leben durch Jesu Ruf. Der katholische Glaube unterscheidet dieses Zeichen von der endgültigen, verklärten Auferstehung Christi.

Das kirchliche Verfahren für diesen Falltyp →

Einwände & Antworten

War Lazarus vielleicht nur scheintot?

Der Bericht gibt dafür keinen Anhaltspunkt. Jesus erklärt ausdrücklich, dass Lazarus gestorben ist; bei seiner Ankunft liegt er seit vier Tagen im Grab. Marta rechnet bei der Öffnung mit Verwesungsgeruch. Die Erweckung geschieht öffentlich auf Jesu Ruf, und Lazarus erscheint anschliessend wieder im Leben der Gemeinschaft. Eine Scheintodhypothese muss diese zusammenhängenden Angaben umdeuten und benötigt dafür eigene Gründe. Eine moderne medizinische Akte ist nicht erhalten; deshalb lässt sich im Nachhinein keine konkrete Scheintoddiagnose stellen. Die christliche Gewissheit beruht auf dem Zeugnis des Evangelisten über Christi Tat. Das Fehlen heutiger klinischer Daten macht eine alternative Vermutung nicht zur erwiesenen Erklärung. Augustinus nimmt das Wunder entsprechend als wirkliche Überwindung des Todes und erschliesst daraus seinen geistlichen Sinn.[1][3]

Warum steht der ausführliche Lazarusbericht nur bei Johannes?

Die Evangelisten treffen eine Auswahl aus dem Wirken Jesu. Das Fehlen eines Vorgangs in einem anderen Evangelium bedeutet daher nicht, dass dieses ihn bestreitet. Für Lazarus bleibt der ausführliche Quellenweg eindeutig: Johannes 11 berichtet das Wunder, Johannes 12 seine fortdauernden Folgen. Die Gespräche mit den Schwestern, die öffentliche Graböffnung, die unterschiedlichen Reaktionen und der Zusammenhang mit dem Todesbeschluss bilden ein zusammenhängendes Zeugnis. Die Frage nach seiner Glaubwürdigkeit ist an diesem vorhandenen Bericht zu behandeln. Man braucht weder vier eigenständige Fassungen zu behaupten noch für jeden Anwesenden ein separat erhaltenes Protokoll zu erfinden. Ebenso folgt aus der theologischen Bedeutung für die Passion keine freie Erfindung: Ein wirkliches Werk Christi kann zugleich seine Sendung offenbaren und den Gang der Ereignisse entscheidend bestimmen.[1][2]

Bedeutung für den Glauben

Die Auferweckung des Lazarus offenbart den Herrn des Lebens, der mit den Trauernden weint und den Tod durch sein Wort überwindet. Marta bekennt ihn schon vor dem sichtbaren Wunder als Sohn Gottes; am Grab bestätigt seine Tat dieses Vertrauen. Lazarus empfängt sein irdisches Leben zurück. Christus selbst geht dem Kreuz und der endgültigen Auferstehung entgegen, in der er den Tod für immer besiegt.[1][3][5]

Die Untersuchung vertiefen

Wie die Wunder Jesu untersucht werden

Das apostolische Zeugnis, die geschichtliche Überlieferung und die Taten Christi.

Untersuchungsmittel und kirchliches Verfahren →

Quellen & Nachweise

Die Angaben zu Zugänglichkeit und Aussagebereich helfen dir, die Belege selbst einzuordnen.

  1. [1] Evangelium nach Johannes, Kapitel 11

    Biblischer Primärtext · 1. Jahrhundert · Joh 11,1–57

    Eigene deutsche Darstellung des antiken Textes; keine Übernahme der modernen englischen Knox-Übersetzung.

    Quelle öffnen · newadvent.org ↗
  2. [2] Evangelium nach Johannes, Kapitel 12

    Biblischer Primärtext · 1. Jahrhundert · Joh 12,1–11

    Lazarus beim Mahl und Reaktion seiner Gegner; griechischer Text und historische Vulgata.

    Quelle öffnen · newadvent.org ↗
  3. [3] In Ioannis Evangelium tractatus XLIX

    Hl. Augustinus · 5. Jahrhundert · Besonders Nr. 1–6; Auslegung von Joh 11

    Gemeinfreier patristischer Primärtext zu Tat und geistlicher Bedeutung der Auferweckung.

    Quelle öffnen · newadvent.org ↗
  4. [4] Summa theologiae III, quaestio 43

    Hl. Thomas von Aquin · 13. Jahrhundert · Artikel 1–2

    Gemeinfreier Primärtext über göttliche Vollmacht und Glaubensbezeugung der Wunder.

    Quelle öffnen · newadvent.org ↗
  5. [5] Summa theologiae III, quaestio 55

    Hl. Thomas von Aquin · 13. Jahrhundert · Artikel 2

    Unterscheidung der Auferweckung des Lazarus und des unsterblichen Zustands des auferstandenen Christus.

    Quelle öffnen · newadvent.org ↗
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