Kapitel 01
Verstehen setzt Hören voraus
Missionarische Sprachkenntnis konnte nicht aus europäischen Büchern allein entstehen. Wer predigen, lehren oder beichten hören wollte, musste mit den Menschen vor Ort sprechen und ihre Ausdrucksweisen verstehen. Die später gedruckten Werke machen diese Begegnung dauerhaft greifbar, auch wenn auf dem Titelblatt häufig nur der Name des europäischen Bearbeiters steht.
Ein besonders reiches Beispiel ist der Florentiner Codex des Franziskaners Bernardino de Sahagún. An seiner Entstehung wirkten Nahua-Gelehrte, Schüler und Älteste mit. Ihre Kenntnisse und Darstellungen waren keine blosse Zutat, sondern eine Grundlage des Werkes. Die zwischen 1575 und 1577 fertiggestellte Handschrift verbindet Nahuatl, Spanisch und Bilder.

