Kapitel 01
Eine Gemeinschaft als geplantes Ganzes
Der St. Galler Klosterplan aus dem frühen 9. Jahrhundert ordnet Kirche, Wohnbereiche und die Aufgaben einer grossen Gemeinschaft räumlich. Seine Beschriftungen lassen erkennen, wie differenziert man über Gebäude und ihre Zwecke nachdachte. Der Plan ist ein Entwurf; er darf nicht einfach als Bestandsaufnahme eines genau so errichteten Klosters gelesen werden.
Seine Bedeutung liegt in der Verbindung der Funktionen: Gebet, Versorgung, Gastfreundschaft, Bildung und Fürsorge benötigen eigene Räume und geregelte Wege. Technik beginnt hier nicht erst bei einer spektakulären Maschine, sondern bei einer Ordnung, die Arbeit über viele Jahre zuverlässig ermöglicht. Der erhaltene Plan macht dieses Denken unmittelbar lesbar.

